In Zusammenarbeit mit dem holländischen Plattenlabel Brilliant
Classics und dem Tonmeister Christian Starke produzieren wir
bis 2009 alle Streichquartette von Joseph Haydn.
Es ist eine große Ehre und Herausforderung zugleich, das
Quartettschaffen dieses Ausnahmekomponisten dokumentieren zu dürfen.
Überblick

Haydns Quartettschaffen

Haydn Vol. I
Streichquartette op. 9

Haydn Vol. II
Streichquartette op. 33 und op. 42

Haydn Vol. III
op. 77, op. 103, „Die Sieben Worte“

Haydn Vol. IV
Streichquartette op. 71 und op. 74

Haydn Vol. V
Streichquartette op. 20

Haydn Vol. VI
Quartettdivertimenti op. 1 und 2

Haydn Vol. VII
Streichquartette op. 17

Haydn Vol. VIII
Streichquartette op. 64

Haydn Vol. IX
Streichquartette Op. 50

Haydn Vol. X
Streichquartette op. 54 und 55
Haydns Quartettschaffen
Fast fünfzig Jahre umspannt der Zeitraum, in dem Joseph Haydn Werke für Streichquartett schrieb: Wahrscheinlich zwischen 1755 und 1757 entstehen die von ihm selbst als „Cassationen“ bezeichneten fünfsätzigen Divertimenti, die heute unter den Opusnummern 1 und 2 zusammengefaßt werden. Bereits in diesen Werken zeigt sich „Haydns unvergleichliche Fähigkeit, eine an sich zufällige Musiziersituation durch die systematische Entfaltung der in der Situation steckenden kompositorischen Möglichkeiten fruchtbar zu machen“ (Ludwig Finscher). Äußerlich folgen diese Quartettdivertimenti der höfisch-galanten Konvention, bei genauerer Analyse aber sind es ganz und gar moderne und neuartige Werke: Jeder einzelne Satz zeigt eine ausgeprägt individuelle Entwicklung des musikalischen Materials und damit schon ein wesentliches Charakteristikum, das die hier neu geborene Gattung Streichquartett von der konventionellen Unterhaltungsmusik der Zeit unterscheidet. Um 1770 entstehen dann die Quartette op. 9 und op. 17, zwei Gruppen von jeweils sechs planvoll geordneten Werken. Am Beginn steht das d-Moll-Quartett op. 9 Nr. 4, ein Werk, das geradezu programmatisch einen neuen, impulsiven und affektreichen Stil formuliert und die unmittelbare Verwandtschaft zu den etwa gleichzeitig entstandenen Mollsymphonien Nr. 26, 39 oder 49 bezeugt. Die gegenüber den ersten Divertimenti radikal veränderte kompositorische Sprache spricht für Haydns Absicht, hier einen neuen Typus von Kammermusik zu etablieren. Auch sein Wunsch, der Verlag Artaria möge die geplante Gesamtausgabe seiner Quartette nicht mit den Divertimenti op. 1 und op. 2, sondern mit op. 9 beginnen, belegt dies überzeugend. Nur wenig später, im Jahr 1772, treiben die Quartette op. 20 die neue, extreme Ausdruckshaltung auf die Spitze: Die sorgfältig komponierte Ordnung der Werkgruppen op. 9 und op. 17 wird aufgebrochen, die Satztypen und auch die kompositorischen Strategien sind so vielfältig, so wenig in eine gemeinsame Zielrichtung gebündelt, daß dieses op. 20 immer auch als Ausdruck einer Krise verstanden wurde. Mir persönlich scheint dies aber nur aus der Perspektive des vollendeten klassischen Streichquartetts stichhaltig, denn zweifellos sind diese Quartette die in der dramatischen, rhetorischen, strukturellen und expressiven Konzeption bei weitem ambitioniertesten Kompositionen ihrer Zeit, stilistisch vielleicht unausgewogen, in ihrem genialen schöpferischen Impuls aber einzigartig.
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